Unser Namensgeber
(JW) Simon Salomon wurde am 21.03.1873 in Speicher geboren. Die sehr angesehene Familie betrieb dort bis in die 1930-er-Jahre ein Textilgeschäft.
Auf dem heute noch bestehenden jüdischen Friedhof in Speicher gibt es fünf Gräber, in denen Angehörige der Familie Salomon liegen. Darunter sind zwei Brüder von Simon Salomon: Sigmund Salomon (1863-1928) und David Salomon (1869-1926). Eine der drei Töchter Sigmund Salomons, Trude, kam am 19.01.1922 bei einem Rodelunfall ums Leben; auch sie ruht auf dem jüdischen Friedhof in Speicher.
Bisher ist nicht bekannt, wo Simon Salomon nach der Volksschule seine weitere Schulbildung erhalten hat. Hingegen ist belegt, dass er in Bonn, Heidelberg und Berlin Philosophie, Sprachen und Literatur studierte. Nach Abschluss der Studien hielt er sich für vier Jahre im Ausland auf. Paris, London und Mailand sind als Stationen bekannt. Über die Dauer der jeweiligen Aufenthalte und die dortigen Tätigkeiten ist bisher noch nichts in Erfahrung gebracht worden.
Kurz nach der Jahrhundertwende scheint er sich für dauerhaft in Berlin niedergelassen zu haben. Er gründete ein Lehrinstitut und war dort selbst als Sprach- und Handelslehrer tätig. Simon Salomon war auch als Verleger und als Schriftsteller tätig. Als am bekanntesten in unserem Raum muss man den Sammelband Im Lande der Quellen
mit dem Töpferlied
über das Speicherer Traditionshandwerk der (Salzglasur-)Töpfer ansehen.
Nach der Jahrhundertwende muss auch seine journalistische Tätigkeit begonnen haben. Dabei bediente er sich ausschließlich des Pseudonyms Siegbert Salter
. Lediglich in Literatur-Lexika wird er stets unter beiden Namen aufgeführt, sodass die Identität jeweils gesichert ist. Er schreibt bis in die 1930-er-Jahre. In der NS-Zeit bricht seine Arbeit ab. Den Lebensunterhalt bestreitet er zum Schluss als Lagerarbeiter in seinem ihm ehemals gehörenden Betrieb.
Am 27.12.1938 tritt er letztmals in Erscheinung durch ein Schreiben, das er an das Standesamt Speicher richtet: Anlass dieses Schreibens war das Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17.08.1938, wonach männlichen Juden auferlegt wurde, den zusätzlichen Namen Israel
anzunehmen, und Jüdinnen verpflichtet waren, sich zusätzlich den Namen Sara
zu geben. Dies ist das bisher letzte bekannte Lebenszeichen Simon Salomons.
Nach Auskunft des Internationalen Suchdienstes vom 06.01.1982 wurde er durch die Geheime Staatspolizei Berlin am 16.07.1942 ins Ghetto Theresienstadt verschleppt. Dort wurde ein Simon Salomon, keine weiteren Personalangaben
am 27.03.1943 verbrannt, Sarg-Nummer 14403
.
Wer könnte die Wünsche, die mit unserem Namenspatron verbunden sind, besser ausdrücken als seine Großneffen anlässlich der Namensgebungsfeier im Oktober 2006:
Als die Familiennachkommen von Simon Salomon wünschen und hoffen wir, dass die Simon-Salomon-Realschule in Speicher die jüngeren Generationen der Zukunft in eine Synthese von zwei wesentlichen Eigenschaften und Werten, die Simons Leben kennzeichneten, überführt:
Erstens, die Liebe der Natur, der Heimat, den deutsche Patriotismus, wie sie in all seinen Schriften ausgedrückt sind,
zweitens, den uralten jüdischen Weisheitsspruch: VeAhavta LeRe’acha Komocha:
Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbstzu verwirklichen, nämlich, dass Humanität, Verständnis und Toleranz für alle, auch wenn sie anders sind, unbedingt sein muss.Wir wünschen, dass das Gedächtnis an Simon Salomons Leben ein ewiges Beispiel von produktivem Schöpfen und Taten ist und dass das Schicksal seiner letzten Jahre eine Mahnung ist: dass so eine Hassperiode, in der er geendet ist, nie wieder zurückkommen soll.
(Eli Samson)