Namensgebungsfeier
Namensgebung nach früherem jüdischen Mitbürger
Nach 35 Jahren des Bestehens erhielt die Realschule in Speicher jetzt den Namen Simon-Salomon-Realschule
. Die Namensverleihung erfolgte im Rahmen einer Feierstunde am 27. Oktober 2006 im Schulzentrum Speicher. An dieser Feierstunde nahmen auch Verwandte des Namenspatrons Simon Salomon aus Israel teil.
Simon Salomon wurde 1873 als jüdischer Mitbürger in Speicher geboren. Seine berufliche Laufbahn führte ihn später als erfolgreichen Verleger, Journalisten und Schriftsteller nach Berlin. Seinen heimatlichen Wurzeln in Speicher blieb er aber zeitlebens verhaftet. Im Zuge der von den Nationalsozialisten in Gang gesetzten Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland und Europa wurden er und seine Frau 1942 in das Konzentrationslager (KZ) Theresienstadt in Nordböhmen deportiert, wo sie beide im Jahre 1943 unter den dort herrschenden unmenschlichen Bedingungen starben.
Familienangehörige von Simon Salomon konnten zwischen 1933 und 1939 noch rechtzeitig aus Deutschland nach Palästina emigrieren und leben heute an verschiedenen Orten in Israel. Die Großneffen Rafael Jacob und Eli Samson waren mit ihren Ehefrauen Rachel Rabin-Jacob und Sara Samson für einige Tage nach Deutschland gereist und weilten als Gäste in Speicher. Beide Großneffen des Namenspatrons der Schule äußerten sich dankbar und erfreut über die damit verbundene Erinnerung.
An die historischen Geschehnisse in der Zeit des Dritten Reiches erinnerte während der Feierstunde im Schulzentrum Speicher Dr. Marianne Bühler vom Emil-Franck-Institut in Wittlich. Realschulrektor Jürgen Weber hatte zuvor die große Gästeschar begrüßt. Für die Schulaufsichtsbehörde ADD sprach Sigurd Hein von einem erfreulichen Selbstverständnis, das sich in der Namensgebung der Realschule Speicher nach einem jüdischen Mitbürger manifestiere; dies sei ein mutiger Schritt und stelle auch eine Selbstverpflichtung der Realschule dar. VG-Bürgermeister Rudolf Becker sah ebenfalls in der Namensgebung ein "Programm" für den schulischen Alltag der Realschule, das die nachwachsende Generation für das historische Geschehen und daraus erwachsenden Schlussfolgerungen sensibel machen sollte.
Als Repräsentant des Schulträgers Landkreis Bitburg-Prüm betonte Landrat Roger Graef die humanistische Tradition, in der die Namensgebung stehe. Man erinnere mit diesem Namen an das Einzelschicksal eines jüdischen Mitbürgers aus Speicher, das exemplarisch stehe für das unvorstellbare Leid, das im 20. Jahrhundert Millionen von Menschen angetan worden sei. Dass Familienangehörige des ermordeten Simon Salomon zur Namensgebung aus Israel angereist seien, wertete Landrat Graef als ein großherziges Zeichen, mit dem die Hand zur Versöhnung ausgestreckt werde. Der neue Name der Realschule Speicher erinnere auch an die lange gemeinsame Geschichte von Juden und Deutschen und ebenso daran, dass Demokratie, Freiheit und Achtung vor den Menschenrechten Errungenschaften seien, die einer ständigen Aufmerksamkeit bedürften, um sie zu bewahren.
Für die beiden christlichen Kirchen sprachen Pastor Koch und Pfarrer Debus Segenswünsche. Für die jüdische Gemeinde in Trier war der Sohn des Vorsitzenden Botmann gekommen. Die musikalische Umrahmung teilten sich das Schulorchester und verschiedene Solisten. Schüler rezitierten auch Gedichte des Namenspatrons Simon Salomon wie Heimat
und das Töpferlied
.
Text den Kreisnachrichten des Eifelkreises Bitburg-Prüm
Ausgabe 45/2006 entnommen
Impressionen